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Unsere Philosophie

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Unterschiede zu anderen Institutionen

Fachleute zum Thema Trauer sind Trauernde

Obwohl alle ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen des Vereins Verwaiste Eltern und Geschwister Bremen e.V. sehr gut geschult sind und alle professionellen Mitarbeiter/innen (die für die Beratungsgespräche und Gruppenbegleitungen zuständig sind) über therapeutische und psychotherapeutische Ausbildungen verfügen, verstehen wir unsere Arbeit nicht als therapeutisch, sondern als begleitend und stützend.
Wenn ein Kind gestorben ist, stürzt dies die betroffenen Familien in eine unvorstellbar tiefe Krise. In dieser Situation ist es zunächst wichtig, eine stabilisierende Hilfe anzubieten und diesen Familien wieder Boden unter den Füßen und Halt zu geben, um den schwer gewordenen Alltag bewältigen zu können. Hierzu ist es uns wichtig, eine Lebensperspektive zu eröffnen und gemeinsam mit den Betroffenen nach Visionen zu suchen, die ein Weiterleben mit dem Tod eines Kindes möglich erscheinen lassen.
Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass es hierfür sehr hilfreich sein kann, Betroffene zusammen zu bringen, um einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Dies kann in regelmäßigen festen Gesprächsgruppen geschehen, in offenen Gesprächsrunden, in Kleinstgruppen oder Zweierkonstellationen, auf Tages- und Wochenendseminaren, bei Gedenkveranstaltungen oder im Rahmen verschiedener Kreativangebote. Dort können Eltern und Geschwister erfahren, wie andere Betroffene mit den Belastungen umgehen und von eigenen Erfahrungen berichten. Unsere Aufgabe dabei besteht darin, einen geschützten Raum und eine positive und angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der die Betroffenen sich bei Bedarf öffnen können. Besonders wohltuend dabei ist es, dass in den Gruppen niemand etwas leisten muss, sich niemand erklären oder gar rechtfertigen muss, dass unter Betroffenen auf einer „anderen Ebene"  kommuniziert werden kann und  eine andere Form des Verstehens ermöglicht wird, als es im Alltag üblich ist. So kann die Erfahrung gemacht werden, dass jeder Trauernde eigene Begabungen und Fähigkeiten hat, um seinen eigenen und persönlichen „Trauerweg" zu finden. Es entsteht die Möglichkeit, eigene Ressourcen zu entdecken und zu fördern, um so mit der erlebten Katastrophe einen hilfreichen Umgang finden zu können.
Das meinen wir damit, wenn wir sagen:
„Fachleute zum Thema Trauer sind Trauernde!"
Natürlich ist dabei jeder nur für seine eigene Trauer der „Fachmann" und was dem Einen gut tut, kann für den Anderen alles andere als hilfreich sein. Aber wenn man erlebt, wie jede/r andere Trauernde in einer Gruppe seinen ganz eigenen Weg mit der Trauer findet, dann gewinnt man daraus auch die nötige Zuversicht, um den einen Weg zu finden und ihn auch zu gehen.

 

Trauernde benötigen und verdienen Wertschätzung

Ein wesentliches Merkmal unserer Haltung gegenüber Trauernden ist der Respekt und die Wertschätzung. Familien, in denen ein Kind gestorben ist, leisten Unglaubliches. Gerade weil in solchen Situationen häufig das Gefühl vorherrscht, kaum noch etwas zu können und nur noch sehr eingeschränkt leistungsfähig zu sein, benötigen Trauernde die Anerkennung, die sie verdienen. Nach dem Tod eines Kindes verändert sich die Bewertung der Welt meistens radikal. Dinge, die immer wichtig waren, verlieren an Bedeutung, während bisher kaum Beachtetes an Bedeutung gewinnt. Familien müssen das Leben zum Teil „neu lernen" und den Lebenssinn teilweise neu definieren. Verständlicherweise kommt es dadurch auch dazu, dass Dinge des alltäglichen Lebens, die bisher ohne große Anstrengungen gemeistert werden konnten, nun zu großen Problemen werden können. Für viele Eltern war es nach dem Tod ihres Kindes kaum noch möglich, wie gewohnt im Supermarkt einkaufen zu gehen, die Arbeitssituation wurde als viel belastender empfunden, Konzentrationsschwierigkeiten machten mitunter das Lesen von Büchern oder Zeitungen unmöglich, Musikhören, Fernsehgucken oder die Hausarbeit konnten nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit erledigt werden, wie gewohnt. Wie auch, wenn plötzlich ALLES anders ist? Aber diese von Eltern empfundene Handlungsunfähigkeit bedeutet ja nicht, dass sie nichts leisten. Im Gegenteil, die Familien leisten eine seelische und geistige Schwerstarbeit, Trauerarbeit - rund um die Uhr, die Gefühle fahren Achterbahn, wen interessiert denn da noch der Haushalt?
Allein die Tatsache, dass Familien mit dem Tod eines Kindes weiterleben und es noch schaffen, sich irgendwie auf den Weg zu machen, verdient höchste Anerkennung und Achtung. Diese Achtung und Wertschätzung sollen trauernde Eltern und Geschwister bei uns erfahren können.

 

Wer Schwerstarbeit leistet, muss für sich sorgen und sich viel erlauben

Wenn wir eine schwere Arbeit vor uns haben, wissen wir, dass wir einige ganz elementare Dinge benötigen, um diese Arbeit leisten zu können. Wir benötigen z.B. ausreichend gute Nahrung, einen guten Schlaf und frische Luft. Wer in tiefster Trauer um ein Kind ist, vergisst dies leicht. Wozu noch essen, wenn mir nichts mehr schmeckt und ich keinen Appetit habe? Schlafen funktioniert  kaum und ist nur selten erholsam, und wozu rausgehen, wenn ich mich so unsicher fühle und die Gefahr besteht, dort von anderen Menschen noch zusätzlich gekränkt zu werden?
Wir wollen Familien gezielt dabei helfen, sich der eigenen Ressourcen bewusst zu werden und wohltuende Verhaltensweisen zu fördern. Hierzu wird immer wieder eine besondere „Erlaubnis" benötigt. Die Erlaubnis, dass es einem gut gehen darf,  man wieder Lebensfreude empfinden darf, dass man ebenso lachen, wie weinen darf,  Wut und alle anderen Gefühle ihre Berechtigung haben und entsprechenden Platz benötigen.

 

Trauer um ein Kind ist keine Frage der Zeit - eine seelische Verwundung hat etwas Bleibendes

Die Trauer um ein Kind ist nichts, das in einer bestimmten Zeit oder nach bestimmten Modellen oder Phasen erledigt und abgeschlossen werden kann. Und es geht nicht darum, die Trauer möglichst schnell wieder los zu werden, wie eine unangenehme Krankheit, sondern darum, mit der Trauer möglichst gut und aktiv leben zu können. Die menschliche Fähigkeit zu trauern, ist etwas zutiefst Positives! Es wäre ja erschreckend, wenn wir nach einem schweren Verlust weitermachen würden, als wäre nichts geschehen. Der Psychologe C.G. Jung hat für Trauer einmal den Begriff „erinnernde Liebe" verwendet und beschreibt damit recht zutreffend, was er unter Trauer versteht. Daraus ergibt sich auch, dass Trauernde nicht unbedingt immer sofort „getröstet" werden wollen - zumal dann, wenn sie zu Recht „untröstlich" sind. Sie wollen eben nicht, dass ihre Trauer, ihre „erinnernde Liebe", weggetröstet wird, weil dies nicht funktionieren kann. Sie benötigen Menschen an ihrer Seite, die sie so annehmen und aushalten können, wie sie gerade sind. Menschen, die ihnen zuhören und sie unterstützen, ohne sie sofort verändern zu wollen. Zwanghafte Tröstungsversuche wie: „Es wird schon wieder", „die Zeit heilt alle Wunden", „du hast ja noch Kinder - oder kannst ja noch welche bekommen", „du musst jetzt loslassen", „mach doch mal dies oder das", usw. verursachen unnötigen zusätzlichen Stress. Uns geht es darum, Stress abzubauen und nicht zu verstärken.
Und so wie auch die Trauer um ein Kind, die sich natürlich stets verändert und erträglicher wird, etwas Bleibendes hat, so sind auch die Kinder selbst etwas Bleibendes. Es ist bedeutend einfacher MIT einem toten Kind zu leben, als OHNE dieses Kind. Es geht also nicht um „Loslassen", sondern darum eine gute Distanz zum verstorbenen Kind zu finden. Wie nah will ich mein Kind haben, wie nah kann ich es gut aushalten, welche Nähe tut mir gut? - das sind dir Fragen, die beantwortet werden können. Nicht „loslassen", sondern „Leine geben". Distanz und Nähe in ein Gleichgewicht zu bringen, das sind die Aufgaben, der sich Trauernde stellen sollten.
Viele trauernde Eltern beschreiben das Gefühl nach dem Tod des Kindes so, als ob einem ein Teil von einem selbst bei lebendigem Leib herausgerissen wurde.
Kinder sind und bleiben ein Teil von einem selbst. Und so bedeutet ihr Tod eine seelische Verwundung für die ganze Familie. Diese Verwundung hat auch etwas Bleibendes. Seelische oder psychische Verletzungen sind nach außen häufig nicht zu sehen, und so kommt es nicht selten zu der seltsamen Erwartung von Außenstehenden, dass die Eltern doch nach einer gewissen Zeit wieder „normal" und so wie früher werden können. Bei einer körperlichen Verwundung hätte niemand diese Erwartung. Niemand würde von einem Menschen, dem ein Bein amputiert wurde, erwarten, dass dieser nach einem Jahr wieder so laufen, tanzen oder Fußballspielen kann wie vor dem gewaltsamen Eingriff in sein Leben. Im Gegenteil, erst dadurch, dass von diesem einbeinigen Menschen nicht erwartet wird, dass er wieder genau so wird wie früher, kann er beginnen, sich auf seine neue Situation einzustellen, kann versuchen, mit einem Bein gut zurecht zu kommen, kann wieder lebensfroh werden und neue Möglichkeiten und Herausforderungen entdecken. Auch wenn dieser Vergleich buchstäblich ein wenig hinkt, weil der Verlust eines Kindes weitaus schwerer wiegt, als der Verlust eines Beines, gibt es Parallelen. So wie dem Amputierten sein Bein auch dann noch oft fehlen wird, wenn er sich gut an die neue Situation angepasst hat und er vielleicht wieder ein ausgesprochen glücklicher und zufriedener Mensch geworden ist, so werden auch die Kinder immer wieder fehlen und ein Teil ihrer Familien bleiben. Und dennoch kann es gelingen, mit diesen Kindern im Herzen eine positive Einstellung zum Leben zu bekommen und wieder tiefe Freude zu empfinden.

 

Wir wollen immer für Familien da sein, ohne diese Familien für immer an uns binden zu wollen

Der Verein Verwaiste Eltern und Geschwister Bremen e.V. möchte auch eine bleibende verlässliche Einrichtung für trauernde Familien sein, was aufgrund der schwierigen finanziellen Situation und der geringen Spendenbereitschaft für unser Thema sehr viel ehrenamtliches Engagement benötigt und immer wieder gefährdet ist.
Für Betroffene verstehen wir uns dennoch als eine Art „Durchgangsstation". Auch wenn wir für Familien noch nach vielen Jahren als Ansprechpartner zu Verfügung stehen wollen, ist uns nicht daran gelegen, diese an uns binden zu wollen. Wir sind eben nicht besonders stolz darauf, wenn Eltern über viele Jahre unsere Gruppen besuchen (was natürlich absolut in Ordnung ist), sondern freuen uns auch, wenn sie nach einer gewissen Zeit bekunden, dass wir eine hilfreiche Station auf ihrem Trauerweg gewesen sind, der sie nun weiter führt. Auch aus diesem Grund sind unsere festen Trauergruppen in der Form von Blöcken mit jeweils 10 Treffen organisiert, damit auch ein Ende unserer Begleitung von vornherein mit eingeplant ist. Das bedeutet, dass wir Familien, so gerne wir sie sie bei uns aufnehmen, auch ebenso gerne wieder gehen lassen.

 

Offen und „konkurrenzlos" - unser Verhältnis zu anderen helfenden Einrichtungen

Wir sind sehr an der Kooperation und am Austausch mit anderen Einrichtungen interessiert und empfehlen diese auch gerne weiter. Dies gilt sowohl für anders ausgerichtete Angebote, wie die des Zentrums für trauernde Kinder, einiger Hospizvereine, der Kirchen, Therapeuten, Kureinrichtungen, usw., wie auch für Einrichtungen derselben Zielgruppe, wie z.B. dem Bundesverband für Verwaiste Eltern (Veid) und andere Verwaiste Eltern Gruppen in Deutschland. Ein Konkurrenzdenken ist für uns unvorstellbar! Wir sind dankbar für jedes weitere hilfreiche Angebot und unterstützen und empfehlen diese gerne. Ebenso offen sind wir für Anregungen und konstruktive Kritik im Bezug auf unsere eigene Arbeit.
Wir werden wie in den vielen vergangenen Jahren unserer Arbeit, auch weiterhin alle unsere Erfahrungen offen legen und anderen Anbietern hilfreicher Angebote zur Verfügung stellen. Das betrifft ebenso unser Wissen im Bereich der Vereinsförderung und des Sponsorings, wie auch im Bereich der Betreuung und Begleitung von Betroffenen. Natürlich freuen wir uns sehr, wenn wir diesbezüglich gelegentlich auch etwas zurückbekommen.

 

Weiterbildung

Da wir nicht davon ausgehen, dass irgendjemand perfekt ist und das einzig Wahre gefunden hat, sind wir stets an Weiterbildung und Weiterentwicklung interessiert. Das heißt, dass wir sowohl für uns selbst immer wieder Fortbildungen organisieren und besuchen, als auch Fortbildungen für andere interessierte Menschen anbieten. Insbesondere für Trauerbegleiter, Ärzte, Hebammen, Lehrer, Erzieher, Seelsorger, Bestatter, Hospizmitarbeiter, Therapeuten, usw.

 

 

 

 

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Mein Kind

Mein Kind wir denken oft an Dich
die Zeit läuft weiter ohne Dich
doch fühlen wir in schweren Stunden
die Zeit heilt doch nicht alle Wunden

Mein Kind du musstest gehen vor der Zeit
du warst noch lange nicht so weit
du hast obwohl noch jung an Jahren
viel Leid und Schmerz mit soviel Stolz ertragen

Mein Kind du hast begleitet uns ein Stück
und doch war diese Zeit voll Glück
was bringt uns alles Geld der Welt
dein Lachen hat die Welt erhellt

Mein Kind oft fühlen wir im Herzen einen Stich
doch eins das weiß ich sicherlich
Wir Lieben und vermissen Dich mein Kind.

(H.W. Jäckle)